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Unter "Was ist Handball?" erfahren Sie einige Interessante Dinge über Handball im Allgemeinen.

mB - Der Weg zur Herbsmeisterschaft führt über Ostfildern

Ein Screenplay in zwei Akten


Akt 1: Das missbrauchte Mikrophon

Es ist kurz nach 18:00 Uhr am 1.12.2007. Leinfelden hat das Heimspiel gegen Ostfildern II mehr oder weniger souverän mit 33:22 gewonnen. Aufgrund der etwas schlechteren und ziemlich aufgekratzten zweiten Halbzeit hält sich die Begeisterung bei Spielern, den beiden Trainern und den Zuschauern in Grenzen. Da die Hälfte der Saison just zu diesem Zeitpunkt vorüber ist, und Leinfelden immer noch an erster Stelle der Tabelle steht, befindet sich in der Halle auch ein hyperagiler Reporter, der versucht, exklusiv für Funk und Fernsehen ein paar Stimmen einzufangen.

Hyperagiler Reporter (spricht mit seinem Kamermann): „Hmm, sollen wir uns da drüben...? Nein? Stimmt! Mitten rein ist besser.“


Die beiden gehen in die Mitte des Spielfeldes. Der hyperagile Reporter läuft wie ein aufgescheuchtes Huhn auf dem Spielfeld rum, um sein Interview zubekommen. Schließlich wird er dafür ja bezahlt. Endlich findet er einen Spieler der Leinfeldener Mannschaft.

Hyperagiler Reporter: „Wie hast du das Spiel gesehen?“
Spieler (außer Atem): „Gesehen? Alter, was laberst du denn für’n Mist an mich ran? Ich hab das Spiel nicht gesehen, ich war mitten drin. Ich hab es gefühlt, gelitten, geblutet, mich drüber aufgeregt, ich habe mir den – beeeeep – aufgerissen, und du redest hier von gesehen! Es war so viel mehr als das. Sorry, das muss als Statement genügen. Das Spiel war sehr körperbetont und an mir und meinem Trikot hängt ´ne ganze Menge Fremdschweiss. Ich muss unbedingt nicht als Letzter die Kabine verlassen, hab nämlich keine Lust die Trikots zu waschen. Tschüss!“
Hyperagiler Reporter (schaut dem Spieler nach, dreht sich zu seinem Kameramann, lächelt verlegen): „Tja, und wech isser, wie? Lass´ mal sehen dass wir die Trainer bekommen!“

Der hyperagile Reporter sieht die beiden Trainer am Schiedsgericht stehen. Er wuselt sich durch die Menge und unterbricht in Reportermanier die Diskussion zwischen Schiedsrichter und Trainer.

Hyperagiler Reporter (energisch): „Heee, darf ich mal bitte durch da?“

Er erntet komplettes Unverständnis. Es gelingt ihm jedoch, sich zu seinem Ziel durchzuschlagen.

Hyperagiler Reporter: „Haben sie jemals im Verlauf des Spiels das Gefühl gehabt, es könnte verloren gehen?“
Die Trainer (unisono): „Nein!“
Hyperagiler Reporter: „Aha, und wieso waren sie sich da so sicher?“
Die Trainer (unisono): „Weil unsere Jungs in der ersten Halbzeit das Spiel komplett dominiert haben, und in der zweiten Halbzeit dementsprechend auf Sparflamme gespielt haben. Unsere neue Mitte hat das Spiel seines Lebens gemacht. Ein Halbzeitergebnis von 17:7 ist fast schon ein gewonnenes Spiel. Das Ostfildern nach der Halbzeit aufdreht und mit allen Mitteln versucht, das Spiel doch noch zu gewinnen, ist verständlich. Die werden in der Halbzeit von ihrem Trainer einen mordsmäßigen Einlauf bekommen haben. Aber allgemein gesehen war es ein faires Spiel. Wir hatten schon welche, die wesentlich knapper waren und der Schiedsrichter nicht energisch genug für die kleinen Provokationen und Nickligkeiten, die es bei Spielen dieser Art nun mal gibt. Jetzt müssen wir aber los, wir haben grad einen Spieler von uns gesehen, der in die Kabine gestürmt ist. Möchten wetten der will die Trikots zum Waschen nicht mitnehmen. Gleich mal ihm die Verantwortung für die Trikots aufbürden. Gehaben sie sich wohl!“

Die beiden Trainer gehen in gleichem Tempo, Schrittrhythmus und Elan Richtung Kabine. Der hyperagile Reporter steht jetzt von allen alleine gelassen auf dem Spielfeld. Auf der Tribüne erkennt er einen großen Mann, der während des Spiels mit einigen Entscheidungen des Schiedsrichters wohl nicht ganz einverstanden war. Jedenfalls tat er seinen Unmut über das Gepfiffene durch lauthalsige Kommentare der ganzen Halle kund. Der hyperagile Reporter stürmt auf die Tribüne, und steuert zielstrebig auf den großen Mann zu.

Hyperagiler Reporter: „Dürfte ich ihnen wohl einige Fragen zum Sp...?“

Der große Mann bringt durch seinen Blick den hyperagilen Reporter dazu, seinen Satz unvollendet im Raum stehen zu lassen. Die Augen des großen Mannes verengen sich zu dünnen Sehschlitzen, sein Kopf wird langsam rot. Man bekommt eine Vorahnung, dass gleich etwas passieren wird. Der große Mann hebt den Arm, ballt die Hand zur Faust und macht diese in gleichmäßigen Abständen immer wieder auf und zu.

Hyperagiler Reporter (verdutzt): „Was ist denn das?“
Großer Mann (laut): „Das, mein Freund, ist meine imaginäre Warnleuchte. Sobald sie anfängt zu blinken, hat ein Problem haargenau zehn Sekunden, um sich von selber in Luft aufzulösen. Sollte dies nicht der Fall sein, werden in mir automatisch aggressive Abwehrreaktion hervorgerufen, um das Problem eigenhändig zu beseitigen!“
Hyperagiler Reporter (verstört): Äääh ja, dann... also ich... ähem... weiss jetzt nicht so recht wie ich das verstehen s...“
Großer Mann (lauter): „ZEHN!!!!!“

Schnitt. Szenerie außerhalb der Halle auf den Tartanplätzen. Die Stahlstäbe des Käfigs sind verbogen. Der kalte Wind pfeift über den roten Gummibelag. Zu vernehmen ist eine Art Geräusch, dass sich wie ein „Mmmmmmh“ anhört. Kameraschwenk auf die Basketballkörbe. Der hyperagile Reporter hängt kopfüber am Basketballkorb. Sein Mikrophon ist zu sehen. Es steckt quer im Mund.


Akt 2: Das versteckte Mikrophon


Eigentlich muss man in den zweiten Akt gar nicht mehr so viel reinschreiben. Wir befinden uns eine Woche und einen Tag, also am 8.12.2007 in Scharnhausen. Der Ort, an dem das Rückspiel gegen Ostfildern II stattfindet. Schon ein bisschen komisch, innerhalb von acht Tagen gegen dieselbe Mannschaft zu spielen. An diesen beiden Wochenenden erging das aber vielen Mannschaften so. Egal, das nur als Information am Rande.
Nachdem der hyperagile Reporter immer noch im Krankenhaus liegt und sich gerade das Kabel der Kamera aus den Ohren operieren lassen muss, gibt es auch keinen Grund, die Dialogform aus dem ersten Akt wieder aufzunehmen. Die Dialoge zwischen Spielern und Trainern, die Worte in der Kabine wird jeder wahrscheinlich sowieso schon zur Genüge kennen. Deswegen haben wir heimlich auf der Zuschauertribüne in Scharnhausen kleine Mikrophone installiert, um die Kommentare der Zuschauer – unsere als auch die von Ostfildern – einzufangen. Einige der kreativsten Ergüsse sind hier nun aufgeführt:

„Ooouh, des wird aber ein hartes Spiel für die. Die Leinfeldener sind ja bloß mit acht Spielern da.“
„Dr‘ Schiri isch koi Pfeife als die wo wir letzsch Mol hatten.“ (Wer mich kennt weiss, wie sehr ich mich zu diesem Satz durchringen musste. Anm. d. Autors!)
„Die lassen sogar ihren Torwart auf Rechtaußen spielen. Also so schlecht macht der des nicht.“
„Mein Gott, würden wir einen richtigen Torwart zwischen den Pfosten stehen haben, hätten wir vielleicht viel weniger als sieben Spiele verloren!“
„Hmmm, zur Halbzeit 11:10 für die Leinfeldener, da ist noch alles drin.“
„Die brechet oi, onsere Jungs brechet oi, die treffe des Tor nemme!!!“ (Tut mir zwar schon wieder weh, so was zu schreiben, aber was soll’s. Wenn es so gesagt wurde, sollte man es auch so wiedergeben. Trotzdem: AUA!! Anm. des Autors!)

Um die letzte Aussage korrekt zu verstehen, sollte an dieser Stelle noch kurz das Endergebnis des Spiels angemerkt sein. Nach einem kräfteraubenden Kampf brachten wir die beiden Punkte mit 22:18 nach Hause. Da dies das letzte Spiel dieses Jahr gewesen ist, und uns bis Neujahr niemand mehr den ersten Platz streitig machen kann, überwintern wir auf dem ersten Tabellenplatz. Die Bilanz lässt sich sehen: 18 zu 2 Punkte und 251 zu 173 Tore. Kann sich sehen lassen. Wir hoffen, dass die Serie bis zum letzten Spiel hält, dazu muss allerdings noch Einiges getan werden. Jetzt erst mal frohe Weihnachten und ´nen guten Rutsch ins neue Jahr. Prost!

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