M1: Teil 2 - Der Anfang

...es wurde von sowas Ähnlichem wie einem Gott erschaffen. Allerdings meinen die Jatravartiden auf Viltwodl VI, dass ein Wesen namens ‚Großer Grüner Arkelanfall‘ das Universum einfach ausgeniest hat. Die Jatravartiden, die in ständiger Furcht vor einer Zeit leben, die sie ‚Die Ankunft Des Großen Weißen Taschentuches‘ nennen, sind kleine blaue Geschöpfe mit jeweils mehr als 50 Armen, und sie sind deshalb so einzigartig, weil sie die einzige Rasse der Weltgeschichte sind, die das Deospray noch vor dem Rad erfand. Die Lehre vom Großen Grünen Arkelanfall hat aber außerhalb von Viltwodl VI nicht sehr viele Anhänger, und so wird, da das Universum nun mal verwirrend ist, ständig nach anderen Erklärungen gesucht.“

Ja, so oder so ähnlich muss sich der Anfang von allem wohl abgespielt haben. Eine vernünftigere Erklärung wird es wohl nicht geben. Aber wagen wir doch einfach mal einen Mega-Zoom vom Universum auf die im Vergleich dazu sehr unscheinbar wirkende und kleine Filderebene. Dort warteten zu einer sehr viel realeren Zeit - und mit der Goldäckerhalle an einem ebenfalls sehr viel realeren Ort - am Samstag, dem letzten Tag im Februar 2020, zwei Handball-Teams und rund 100 Zuschauer - so steht es zumindest auf dem Spielberichtsbogen - auf den Anfang ihres Spiels.

Zunächst vergebens. Der eingeteilte Schiedsrichter wollte einfach nicht auftauchen. So verging Minute um Minute mit der hektischen Suche nach einem geeigneten Kandidaten an der Pfeife. „Ein Schiri würde dem Spiel gut tun“, so der O-Ton von der Tribüne. Dabei war es nicht mal die Verspätung - oder besser gesagt das Nicht-Erscheinen - des Schiedsrichters, welche die Wartezeit in der Halle unerträglich machte. Laut dröhnten Geräusche aus den Lautsprechern, für welche sämtliche andere Formen von Musik sich wohl schämen müssten, mit ihnen unter demselben Oberbegriff einkategorisiert zu werden. OK, Volksmusik vielleicht mal ausgenommen.

Natürlich nicht nur deswegen war man nach 28 Minuten froh und auch erleichtert, dass sich tatsächlich zwei junge Kerle fanden, die den Mut hatten, das Spiel der M1 gegen die TG Nürtingen anzupfeifen. Schließlich waren es die Nürtinger, die im Hinspiel eine von bisher zwei Niederlagen auf das Negativ-Konto der M1 einzahlten. Diese Scharte wollte die HSG vor eigenem Publikum natürlich bestmöglich wieder auswetzen. Von daher ein dickes Dankeschön und ein großes Lob an Georgios und Levin (B-Jugend!), dass sie ihren Samstagabend geopfert und sich dieses Spiel zugetraut haben. Ohne die beiden hätte das Spiel wohl nicht stattfinden können.

Torhüter-Leistung sticht heraus

Jeweils einen missglückten Angriff gönnten sich beide Teams, bis dann nach 45 Sekunden das 1:0 für die M1 durch unsere Nr. 11 fiel, der vorsichtshalber nach dem ersten Angriff gleich vorne stehen blieb. Clever. Danach schien es aber so, als wäre den Nürtingern und insbesondere deren Torhüter die etwas längere Wartezeit vor dem Anpfiff besser bekommen. Denn diese legten das Spielgerät schnell und zwei Mal nacheinander im Leinfelden-Echterdinger Gehäuse ab und gingen somit in Führung.

Nach ein paar Minuten änderte sich der Eindruck des Anfangs. Das Spiel nahm Fahrt auf, die M1 zeigte schnelle Angriffe, vor allem gute Abschlüsse und einen ihrerseits nun ganz hervorragend aufgelegten Torhüter. Alles in allem sorgte dies für eine 7:3-Führung nach rund neun Minuten. Nach dem 11:5 nahm Nürtingen die erste Auszeit zu Beginn der 16ten Minute. Ein bis dato mit bis auf wenige Ausnahmen unterhaltsames Spiel. Die Auszeit half dem Gast aber nicht unbedingt weiter. Die Fehler im Nürtinger Angriff und die herausragende Torhüter-Leistung der Heim-Mannschaft blieben, sodass es nun massenweise Konter für die M1 gab. Ebenfalls erfrischend zu sehen: Die Konter wurden meistens mit Toren vollendet, anders noch als bei den Auftritten zuvor. Die erste Zehn-Tore-Führung spielte sich der Gastgeber nach ziemlich exakt 20 Minuten beim 16:6.

Den berüchtigten Sahnetag hatten an diesem Abend der HSG-Torhüter und der Top-Torschütze mit der Nummer 24... nun ja... abgesahnt. Über die komplette Spielzeit traf er das Tor sechs Mal. Im Angriff gelang der M1 am Ende der ersten Halbzeit so gut wie alles. Die 20-Tor-Marke wurde ebenfalls bereits vor dem Pausenpfiff bei der Sechsundzwanzigeinhalb-Minuten-Marke geknackt, zur Halbzeit stand ein vor Anpfiff kaum für möglich gehaltenes 21:10 für den Gastgeber auf der Anzeigetafel. Ein Spiel, das zu diesem Zeitpunkt bereits gewonnen war...

Was war denn da los?

...dachten sich viele: Zuschauer, das sehr aufmerksame Personal hinter dem Tresen, Schiedsrichter und zu allem Übel wohl auch die Hälfte der Spieler auf der Platte. Die andere Hälfte kam aus dem Nürtinger Lager und voll motiviert aus der Kabine. Die erste Halbzeit konnten sie aber auch beim besten Willen so nicht auf sich sitzen lassen.

Eine andere Halbzeit, wiederum ein anderer Anfang: Nürtingen spürte seine Chance, die bei so einem Halbzeitergebnis eigentlich gar nicht mehr vorhanden sein dürfte. Der Gast trat nun aggressiver auf, die M1 leistete sich einige unkonzentrierte Aktionen: der Vorsprung schmolz langsam, aber dafür stetig. 22:14, 24:17, bis die M1 beim 25:19 ihre erste Auszeit nahm. Die restlichen 17 Minuten Spielzeit waren unnötig spannend geworden. Über die Hälfte des überragenden Vorsprungs zur Halbzeit war beim 27:22 aufgebraucht, kurz darauf folgte das 27:23. Zu allem Überfluss hatte Nürtingen noch genügend Zeit, die M1 bei dieser Geschwindigkeit einzuholen.

Wie das passieren konnte? Sowohl vorne als auch hinten kam nun das Pech hinzu. Viele Angriffe der M1 scheiterten am gegnerischen Torhüter oder am Aluminium, aber auch am eigenen Unvermögen. Das Team schien wie ausgewechselt. Auch die schier unhaltbaren Bälle, die unser Keeper in den ersten 30 Minuten noch mit sichtlichem Genuss abwehrte, fanden jetzt den Weg ins Tor. Und man konnte es ahnen: Das 27:24 folgte auf dem Fuß. Nur noch drei Tore. Urgh...

Doch dann besannen sich zwei Spieler des Teams auf das, was in den letzten Spielen ebenfalls ganz hervorragend funktionierte: Einen selbständigen Torhüterwechsel. Bei der M1 stehen die beiden Keeper trotz der für Außenstehende vorhandenen Konkurrenz-Situation tatsächlich füreinander ein. Das ist deswegen auch so bemerkenswert, weil es - zumindest wenn man die letzten Spiele betrachtet - immer funktioniert hat. So auch an diesem 29. Februar...

Nach einem wunderschönen Kempa-Trick der Nürtinger, der neutral betrachtet auf jeden Fall ein Tor verdient gehabt hätte, fischte unser Torhüter geschmeidig aus dem Eck und leitete postwendend den Konter ein. Dadurch kam spürbar der Wille und das Selbstvertrauen wieder zurück ins Team. Ein paar wenige Angriffe später war zumindest die Fünf-Tore-Führung zum 29:24 wieder hergestellt.

Nürtingen stellte in den Schlussminuten auf eine 4-2 Abwehr um, eine offensivere Formation, die man in dieser Liga eigentlich eher selten sieht. Jedoch mit zählbarem Erfolg: Dreieinhalb Minuten vor Schluss kam das Team aus der Neckarstadt nochmal auf 30:28 heran. Spannung, die man als Fan des Gastgebers nicht mehr gebraucht hätte. Was aber für die M1 spricht: Das 28ste Tor war das letzte, welches Abwehr und Torhüter für Nürtingen zuließ. Aber der Angriff schlug noch vier Mal zu, sodass am Ende ein wieder etwas versöhnlicheres Ergebnis von 34:28 in den Spielberichtsbogen eingetragen werden konnte.

Fazit

Eine zweite Halbzeit darf bei einer solchen Führung nach dem ersten Durchgang eigentlich nicht mehr so spannend werden. Vielleicht fühlten sich die Jungs in den gelb-blauen Trikots zu sicher. Dass das Team Moral hat, hat es bereits mehrfach bewiesen, beispielsweise bei der ersten Saisonniederlage im Auswärtsspiel bei der HSG Ostfildern 2. Dort lag man zum Pausentee bereits mit 18:11 Toren hinten, riss sich aber in der zweiten Halbzeit zusammen und schaffte im Spiel den Ausgleich zum 25:25 nach einer enormen Leistungssteigerung. Leider ging die Begegnung dann doch noch mit 31:29 verloren, hatte aber auch gegen einen körperlich überlegenen Gegner gespielt, was mit Sicherheit gegen Ende die Kraftreserven leerte.

Vielleicht darf sich die M1 einfach keine so grandiosen Halbzeit-Führungen mehr erspielen.

Das nächste Spiel folgt am kommenden Samstag um 18:00 Uhr gegen die zweite Garde des TV Reichenbach. Auswärts... und dadurch wird das Spiel mit Sicherheit nicht einfacher. Die Unterstützung zahlreicher Zuschauer wird mit Sicherheit sehr, sehr dankend angenommen.

Inspiration zu Teil 1 und 2: DW1 und logischerweise, da es hauptsächlich um sie geht: die M1. So long, and thanks for all the fish!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und nun, wie in Teil 1 angekündigt: Das Rezept

„Man nehme den Inhalt einer Flasche alten Janx-Geistes. Man füge einen Teil Wasser aus den Meeren von Santraginus V hinzu. Oh, dieses santragineschische Meer, oh, diese santraginesischen Fische! Man lasse drei Würfel arkturanischen Mega-Gin in der Mischung zergehen. Diese müssen gut gefroren sein, sonst verfliegt das Benzin zu schnell. Nun lasse man vier Liter fallianisches Sumpfgas hindurchperlen - zur Erinnerung an all die glücklichen Anhalter, die vor Freude in den Sümpfen von Fallia starben. Über einen umgedrehten Silberlöffel lasse man nun einen Teil qualaktinischen Hyperminz-Extrakt tröpfeln, der nach allen dunklen, zu Kopf steigenden qualaktinischen Zonen duftet: Zart, süß und mystisch. Man werfe den Zahn eines algolianischen Sonnentigers hinein. Schau zu, wie er sich auflöst und sich die Feuer der algolianischen Sonne tief im Herzen des Drinks verteilen. Ein Spritzer Zamphour, zum Schluß eine Olive.“

Prost!