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M1: Ein Spiel, zwei Gesichter

HSG M12

Am wohl hoffentlich nicht ganz letzten Wochenende mit schönem warmen Wetter - denn zum jetzt anstehenden Wochenausklang braucht zumindest die Stadt Leinfelden-Echterdingen etwas meteorologisch Vergleichbares unbedingt auch! - reiste die M1 einmal quer über die Filderebene nach Scharnhausen. Dort beheimatet die Körschtalhalle die HSG Ostfildern, gegen dessen zweite Mannschaft das vierte Saisonspiel der noch jungen Saison anstand. Und wenn ein paar Tage zuvor das Pokalspiel gegen denselben Gegner nicht deutlich verloren gegangen wäre, hätte von den Vorzeichen her eigentlich alles klar sein sollen: Der Gastgeber aus Ostfildern noch ohne Punktgewinn und die M1 noch ohne Punktverlust in der Liga. Der Pokal schreibt sowieso seine eigenen Gesetze. *Klirrrr!* Und schon fällt die erste Münze in dieses komische Phrasenschwein.

Und wie sagte ein erfolgreicher, bekannter und nicht mehr aktiver Fußballer aus dem Frankenland: „Wäre, wäre, Fahrradkette, so ungefähr - oder wie auch immer.“ *Klirrrr!* Ganz her-vor-ra-gend! Jedoch, auch wenn sich der werte Herr hier natürlich etwas unglücklich ausdrückte und zumindest auch seine humorvolle Seite ungewollt für immerhin neun Worte kurz zum Vorschein kam, ganz unrecht hatte er damit wohl nicht.

Bemüht, aber nicht effektiv

Denn das Team ohne bisherigen Punktgewinn machte es der M1 in der ersten Halbzeit ganz schön schwer. Die Mannen aus Leinfelden-Echterdingen erwischten einen äußerst schlechten Start, lagen schnell mit 2:0 zurück und setzten im Angriff die ersten drei Würfe neben das Tor beziehungsweise auf den gegnerischen Keeper. Auffällig auch, das eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Bällen in den Anfangsminuten nicht gefangen wurde. Technische Fehler in diesem Ausmaß kannte man von der M1 in dieser Saison bis dato nur selten. Den ersten Torerfolg verbuchte das Team dann erst in Minute 4:33 nach einem sehenswerten Kreisanspiel. Danach nahm das Spiel kurzzeitig richtig Fahrt auf, innerhalb von 30 Sekunden schraubte der Gastgeber das Ergebnis von 2:1 auf 4:2 hoch. Ab diesem Zeitpunkt bot sich den Zuschauern in der Körschtalhalle für eine lange Zeit der ersten Halbzeit dasselbe Bild...

Insgesamt wirkte die M1 ab hier unkonzentriert und schien auch eine ganze Weile danach noch nicht richtig im Spiel zu sein. Im Angriff schlich sich immer wieder der ein oder andere unsichere Pass ein, der oftmals zu einem direkten Tempogegenstoß führte. Auch die Abschlüsse, nachdem der Schiedsrichter wegen Zeitspiel den Arm hob, wurden eher überhastet vollendet. Ging dann doch mal ein Ball durch, war meistens der Keeper aus Ostfildern zur Stelle. Man muss dazu auch sagen, dass der Gastgeber in der ersten Hälfte eine starke Abwehr spielte, immer dicht am Mann war und zu viele Rückraumwürfe der M1 runterblockte. Die Spieler hatten im Mittelblock dazu jedoch auch die richtige Größe, man konnte durchaus von einer körperlichen Überlegenheit des Gegners sprechen. Ein probateres Mittel, die kompakte Abwehrreihe zu durchdringen, war das strikte und geduldige Ausspielen der Angriffe, bis der Kreis oder die Außenpositionen freigespielt waren. Der Nachteil: Diese Methode kann durchaus kräftezehrend sein.

Und dies offenbarte sich in der Abwehr. Oftmals hatte man den Eindruck, dass es der M1 an Kraft fehle, um insbesondere die beiden großen Halbspieler in den Griff zu bekommen, die immer wieder hochstiegen und so ein Tor nach dem anderen warfen. Nur selten gelang ein Block, wie beispielsweise in Minute 26. Das machte Mut, doch hier stand es bereits 15:8 gegen die M1. Umso bemerkenswerter, dass sich in den letzten Minuten der ersten Halbzeit anbahnte, was in der zweiten Halbzeit seine Fortsetzung finden sollte. Plötzlich entwickelte das Team einen neuen Willen und hinten aggressiver. Dementsprechend änderte sich auch die Abschlussquote der beiden „Großen“. Vorne ging man nun zielstrebiger mit mehr Mut und demzufolge auch mehr Erfolg zu Werke, so dass der Trainer der Gastgeber zwei Minuten vor dem Pausenpfiff beim Stand von 16:11 eine Auszeit nahm. Der Auszeit folgten noch zwei sehr glückliche Tore des Teams aus Ostfildern, die mit dem 18:11 den Pausenstand besiegelten. Es war klar: Es musste sich was ändern... *Klirrrr!*

Fazit der ersten Halbzeit

Darf man nach der ersten Halbzeit überhaupt schon ein Fazit ziehen? In diesem speziellen Fall wohl schon, denn der zweite Abschnitt sollte sich grundlegend vom Ersten unterscheiden; und genau dieser erste Abschnitt sollte als Negativbeispiel „So nicht!“ nicht in Vergessenheit geraten. Das Bemühen mochte der M1 niemand absprechen, aber es fehlte dem Team an Durchschlagskraft, Mut, Lautstärke in der Abwehr, Bewegung im Angriff und auch zu geringen Teilen an Glück. Darüber hinaus hatte man im ersten Abschnitt einen hochmotivierten Gegner auf der Platte. Warum die M1 in den ersten 30 Minuten so gespielt hat? Eine richtige Erklärung dazu kann uns wohl nur der nahezu gottesgleiche Franz B. aus M. geben: „Der Grund war nicht die Ursache, sondern der Auslöser.“ *Klirrrr!* Donnerknispel, das habe zumindest ich bis hierhin noch nicht gewusst. Kann man sich ja aber mal getrost merken... nicht.

Wie ausgewechselt

Die zweite Halbzeit begann die M1 mit dem quer liegenden Aluminium; satt klang es durch die ganze Halle. Das Schmatzen von beschleunigtem Kunstleder auf kaltem beschichteten Metall hätte sogar die Musik in der Spielstätte übertönen können. Denn zu eigentlich jeder sich bietenden Gelegenheit bewies das Personal in der Halle, dass die Heimspiele der verschiedenen Teams aus Ostfildern mit einer geradezu verschwenderisch dimensionierten Musikanlage begleitet werden.

Trotzdem gehörte das erste Tor der zweite Halbzeit dem Team aus Leinfelden-Echterdingen, die jetzt - so schien es - den Dreh raus hatten. Das komplette Gegenteil der ersten Halbzeit offenbarte sich dem sichtlich verdutzten Gastgeber, der mit solch einer Gegenwehr nach einem Sieben-Tore-Vorsprung zur Pause wohl nicht mehr gerechnet hatte. Die M1 ging nun aggressiv und offensiver in der Abwehr zu Werke und nahm den Gegner früh an. Vorne im Angriff wurden die Spielzüge konzentriert und mit Zug zum Tor ausgespielt. Auch die Rückraumwürfe gelangen nun, Fortuna kehrte endlich wieder auf die Seite der M1 zurück. Der Wille der Spieler, das Spiel noch drehen zu wollen, war so deutlich spürbar, dass das Tempogegenstoßtor zum 19:14 in Minute 34 nach einer starken Parade unseres Keepers bereits auf Höhe der Mittellinie hätte angesagt werden können. Auch nach den in dieser Phase immer seltener gewordenen Gegentoren war die M1 für die schnellen Anspiele flink am Mittelkreis, was im ersten Durchgang beispielsweise noch nicht der Fall war.

So schmolz die Führung der Gastgeber immer mehr dahin. Langsam, aber sie schmolz. Nach zwölf Minuten Spielzeit waren die Leinfelden-Echterdinger bereits zum 21:19 auf zwei Tore herangekommen, was den Trainer der Ostfilderer zur nächsten Auszeit zwang. Den zweiten Abschnitt hatte die M1 bis dahin mir 3:8 Toren klar für sich entschieden. Als dann der Abstand sogar auf ein Tor zum 23:22 verringert wurde und der Gastgeber sich zwei fast zeitgleiche Zwei-Minuten-Strafen einhandelte und somit mit nur noch vier Feldspielern agieren konnte, witterte jeder eine spannende Schlussphase. In diesem Zuge stellte die M1 sogar nach einem wiederum sehenswerten Anspiel auf den Kreis auf 25:25 Unentschieden. Leider überstand die HSG LE ihre darauf folgende Unterzahl nicht ganz unbeschadet und lag nach zwei Minuten wieder mit 27:25 zurück.

In den letzten Minuten nahm das Spiel wieder einen etwas zerfahreneren und hektischen Touch an. Kein Wunder, da ja nun in relativ kurzer Zeit schnell mindestens zwei Tore aufgeholt werden mussten. Dies hatte einen leichten Rückfall in die Spielweise der ersten Halbzeit zur Folge mit überhasteten Pässen und zu schnellen Abschlüssen. Eine Situation, die der Gastgeber auszunutzen wusste und zweieinhalb Minuten vor Spielende mit 30:27 führte. Als letzten taktischen Kniff spielte die M1 nun eine offensive Manndeckung in der Hoffnung, das Ruder doch noch rumreißen zu können. Leider vergeblich. Der Gastgeber konnte ein am Ende knappes Ergebnis über die Zeit retten und das Spiel mit 31:29 für sich entscheiden.

Und die Lehren des Spiels?

Nun, um noch ein formidables Zitat des bereits vorher angesprochenen Hobby-Rhetorikers - nein, nicht Franz B. aus M.! - hier einzubringen: „Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken!“ *Klirrrr!* Aber selbstverständlich nicht, nobler Herr des feinen Wortes. Denn mal ganz davon abgesehen, dass dies wohl eine sehr staubige und zudem noch recht unappetitliche Angelegenheit wäre, macht das beim Team aus Leinfelden-Echterdingen sowieso bestimmt niemand. Denn Gründe, dieses oder Vergleichbares zu tun, gibt es ohnehin nicht. Die M1 hat gerade mal ihr erstes Saisonspiel verloren. Und wenn das Team in den nächsten Spielen bereits die ersten 30 Minuten so zu Werke geht wie es dies in der zweiten Halbzeit in Ostfildern getan hat, besteht - natürlich immer mit einem Hauch Hilfe vom Glück des Tüchtigen - die Möglichkeit, dass nicht mehr allzu viele Niederlagen auf das Konto dazukommen könnten. Denn: „Es ist wichtig, dass man neunzig Minuten mit voller Konzentration an das nächste Spiel denkt.“ *Klirrrr!* Aha! Danke, Chef! Also das ist selbstverständlich das Originalzitat; auf Handball bezogen müsste da ja logischerweise sechzig anstatt neunzig Minuten stehen. Bitte arbeitet hier konzentriert mit!

Die nächste Chance, es besser zu machen, ergibt sich am kommenden Dienstag, den 22. Oktober, um 20:15 Uhr in der Goldäckerhalle. Dann kommt die zweite Mannschaft des TEAM Esslingen zu Besuch. Vier Tage danach reist die M1 bereits nach Nürtingen zum sechsten Saisonspiel.

Doch immer schön der kalendarischen Reihe nach: Denn davor ist erstmal Krautfest. Das Fest, das es in Leinfelden-Echterdingen schon lange vor den Zeiten gegeben hat, als Lothar Matthäus noch mit gleichaltrigen Frauen ausging... Also kurz gesagt: eine Ewigkeit. Und die M1 kann bei hoffentlich formidablen Wetter mit einer Halben statt einem Ball in der Hand auf den Straßen der Stadt in Ruhe verfolgen, was die anderen Mannschaften der Bezirksklasse Esslingen Teck so auf die Kette kriegen. Oder sie lassen es einfach und geniessen das Wochenende. So oder so: Es ist ein gar nicht mal so schlechter und versöhnlicher Ausblick...

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